Montag, 8. Juli 2013

Abenteuer zum Gipfel des Mount Timpanogos



Am Freitag hieß es wieder „Ab in die Canyons!“. Vor vier Jahren habe ich die Wanderung zum Gipfel des Mount Timpanogos schon einmal gemacht und wusste also, was mich erwartet: Hitze, Gletscher, viel Wind, Sonne und eine atemberaubende Landschaft. Kerry, mein amerikanischer Dad, und ich haben unseren Trip perfekt geplant: Wir starten Freitagnachmittag bei Aspen Grove, wandern den steilen 7 Meilen (ca. 11 Km) Trail bis zum Gipfel, schauen uns dort den Sonnenuntergang an, übernachten in der kleinen Metallhütte auf dem Gipfel und lassen uns vom Sonnenaufgang aufwecken. Ja, soweit der Masterplan…wie immer, wenn man tolle Pläne schmiedet, läuft natürlich nichts nach Plan. Hier unser Abenteurer (wie Kerry dazu sagt): Wir starteten unsere Wanderung nachmittags (so gegen 4 Uhr) bei praller Sonne, unerträglicher Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit, da eine Gewitter-/Regenfront im Anmarsch war. Bei der Registration (man muss sich bei jedem Hike registrieren, damit die Ranger den Überblick behalten, wie viele verrückte Menschen sich in den Bergen aufhalten) belächelte uns der Ranger als er von unserem Plan hörte. Er warnte uns vor kräftigen Regenschauern und Gewittern: 30 %-ige Unwetter-Wahrscheinlichkeit. Kerry und Ich waren uns sicher, dass es nicht regnen wird – wir waren eben sehr optimistisch und wollten unbedingt den vor Sonnenuntergang Gipfel erreichen. Wir schwitzen uns nass (wortwörtlich), meine Haut fühlte sich wie ein Swimming-Pool an...








Je höher wir kamen, desto kälter wurde es…und leider auch bewölkter…und kälter…und dunkler…und sehr dunkle Wolken am Himmel…und wupps, Gewitterwolken und platsch: Ein kräftiger Regenschauer und Gewitter über uns, na klasse. Das hielt uns aber nicht von unserer Wanderung ab: Etwas durchnässt und verfroren liefen wir weiter (also ich; Kerry war es natürlich nicht kalt^^). Und so liefen wir und waren am Fuß eines Wasserfalls und bemerkten, dass der Trail hier nicht weiter geht…Jetzt blieben uns zwei Möglichkeiten: Umdrehen (d.h. downhill) oder quer durchs Feld (also crosscountry). Kerry und mir gefiel die zweite Option besser und so liefen wir durchs nasse Gestrüpp und kamen wieder auf den Trail. 

Keine fünf Minuten später mussten wir dann einen reißenden Fluss überqueren: Keine Chance, ihn zu überqueren, ohne einen Schuh komplett zu durchtränken. Ergebnis: Anni hat es über den Fluss geschafft…mit zwei nassen Schuhen. Na toll, dachte ich mir, denn ich wusste, dass meine Füße jetzt auf JEDEN Fall erfrieren.





All diese kleinen Pannen kosteten unheimlich viel Zeit und Kraft. Kerry, der sowieso ein kleines Handicap an seinem Bein hat, hatte wirklich Probleme den Berg zu hiken und so stoppten wir alle 20-30 Meter, weil ihm seine Beine so wehtaten. Wir wussten beide, dass wir den Gipfel nicht mehr erreichen würden, denn es wurde schon dunkel und es waren neue Gewitter im Anmarsch. Unser neues Problem war also: Wir brauchen einen sicheren Schlafplatz...




Wir erreichten so ca. um 21:00 Uhr das erste Plateau, wo sich der Emerald Lake befindet. Kerry hat dort erstmal unsere Wasservorräte mit Gletscherwasser aufgefüllt und ich habe dann endlich lange Hosen angezogen (ja, ich habe bis zu diesem Zeitpunkt immer noch Shorts getragen!). Nur unweit von diesem See entfernt, befindet sich ein kleines Chateau (wie die Ranger es nennen): eine kleine Steinhütte, ohne Fenster oder Tür – der perfekte Schlafplatz! Wir spielten noch mit dem Gedanken doch weiterzuwandern, doch als es dann anfing zu hageln, stand unsere Entscheidung fest: Wir übernachten im Chateau. Kerry hat dann erstmal Feuer gemacht: Mit einem kleinen Campinggrill, der mit Holz befeuert wird und die Hitze in elektrischen Strom umwandeln kann. Haben dann versucht meine Füße wieder zum Leben zu erwecken (hätte echt meine elektrischen Wärmesohlen gebrauchen können) – das dauerte echt lange...und es dauerte auch super lange meine Socken und Schuhe zu trocknen. Kerry hat sich aber echt viel Mühe gegeben, dass es mit gut geht. Er hat eine Plane in die Hütte gehängt, um uns vor Sturm und Regen zu schützen. Wir haben dann schnell Dinner gegessen (Gemüse-Tortillas, ich ihr vorbereitet hatte) und haben uns dann so um Mitternacht „schlafen“ gelegt. Habe kein Auge zubekommen, da der Sturm so laut und ich so sehr gefroren habe...




Um 4 Uhr morgens sind wir dann aufgebrochen, um den Sonnenaufgang zu sehen: ES WAR KALT!!! Ich habe so viel Kleider angehabt und Kerry hat mir auch noch seine Jacke geliehen…doch als wir dann im Dunkeln schon wieder den Trail über den Gletscher verloren haben und wir einen steinigen Felshügel besteigen mussten, wurde mir es langsam warm…die Felsen waren alle lose  und so brauchten wir für diesen Aufstieg sehr lange…und viel Kraft. Kurz vor dem Gipfel konnten wir dann Orem bei Nacht sehen: Viele kleine Lichter, es war wundervoll. 


Um 6:00 ging dann die Sonne auf: Wir waren nur Meter vom Gipfel entfernt. Es war schön, nicht super spektakulär, weil die nächste Unwetterfront sich schon wieder ankündigte. Auf dem Gipfel war es (sorry, dass ich es so sagen muss) arschkalt und regnerisch. Im Schlafsack eingemummt, standen Kerry und ich dort wie zwei Pinguine, wir zitterten beide und hofften, dass die Sonne es durch die Wolkendecke schafft...
















...Doch leider vergeblich…also liefen wir wieder zu unserem Chateau, wo wir Oatmeal (Müsli, dass mit Wasser erwärmt wird) frühstückten und uns aufwärmten. Die Sonne schaffte es dann Gott sei Dank noch durch die dicken Wolken und der Rest des Tages war wieder Hitze pur. Wir haben einen anderen Weg für den Abstieg genommen, den Timpooneke-Trail, der 9 Meilen (also ca. 15 Km) lang ist. Es war schön nach einer so kalten Nacht endlich wieder die Sonnenwärme zu spüren. Unschöner Nebeneffekt: Sonnenbrand auf der Kopfhaut und eine Menge Schnakenstiche.  Um 16:00 Uhr kamen wir dann im Tal an, wo Kerry am Tag zuvor ein Auto abgestellt hat. 










Das Gesamtergebnis: 17 Meilen also 27 Kilometer Abenteuer. Wir haben uns dann als Belohnung einen riiiesigen Becher Eiscreme gegönnt. Wieder zuhause hieß es Rucksack aufräumen, duschen und ab ins Bett. Es war ein unvergessliches Abenteuer…und außer einer kleinen Blutblase auf meiner Handinnenfläche (von der Felslawine, die wir hochklettern mussten) geht es mir super! Genießt die Bilder (das ist natürlich nur ein Bruchteil der Bilder, die ich gemacht habe^^).



Beste Grüße, eure Annica

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